Dubai – und zurück zur Tagesordnung?

Mit einer gewissen Zeitverzögerung passieren nun merkwürdige Dinge, die als ungute Anzeichen gesehen werden. Einen heftigen Ausbruch des Dollar, aber gleichzeitig einen massiven Abschwung bei den US-Treasuries, den Staatsanleihen der USA. Eine Flucht ins Geld?

Der Goldkurs sinkt gleichzeitig. Vermutungen, dass es sich um eine Reaktion auf die ach so positiven Arbeitslosenzahlen in den USA handelt, sind nicht ernsthaft anzunehmen. Jeder weiß, wie die Arbeitslosenzahlen geschönt sind, da mag die Presse sich schwindlig jubeln – es glaubt niemand derlei Darstellungen. Viele Parameter erinnern fatal an das Szenario vor dem Börsencrash im letzten Jahr. Nur gibt es eben diesmal keinen Run auf US-Trasuries.

Könnte das die Fahrt abwärts in den viel gefürchteten zweiten, tieferen Absturz des Weltfinanzsystems werden?

Aber doch nicht wegen läppischer 60 Milliarden?

Die Qualitätsmedien der Welt wussten dankenswerterweise schon Stunden nach dem »Dubaibakel« zu berichten, dass das keinen größeren Schaden bedeuten könne. Recht sportlich-flott analysiert, muss man da sagen. Bei einem Tsunami zieht sich das Meer erst einmal weit von der Küste zurück, und es herrscht große Stille. Es hat gerumst, es ist still.

War es das – oder rollt da draußen die 30 Meter hohe Welle auf die schon heftig angeschlagene Küste der Weltfinanzen zu?

Der Zahlungsausfall, um den es in Dubai geht, liegt nach der Kenntnis von Fachleuten weit höher als 60 Milliarden. Es geht um viele Billionen, und die sind anscheinend ohne jede Absicherung im Wüstensand versenkt worden. All die Glitzerpaläste, Palmeninseln, vergoldeten Mega-Hotels und Ski-Paradiese in der Wüste sind zum weitaus größten Teil fremdfinanziert worden. Die Geldgeber drängelten sich ja geradezu darum, ihr Geld in diese Prestigeobjekte zu stecken. Einen vor Ölmilliarden nur so strotzenden Scheich fragt niemand nach Sicherheiten. Das ist unfein und zerstört die Vertrauensbasis für weitere Geschäfte.

Das prachtvolle 250.000 Quadratmeter große Anwesen des saudischen Königs Fahd in Marbella mit dem riesigen beleuchteten Schwerte des Propheten nahe dem Strand zeugt mit eigener Moschee und Krankenhaus vom sagenhaften Reichtum aus Tausendundeinernacht. Möchte der Herrscher mit ca. 3000 Leuten Gefolgschaft und Familie einmal gemütlich shoppen gehen, wird selbstverständlich das große Nobelkaufhaus Corte inglese für die niederen Normalos gesperrt und steht ausschließlich seiner Hoheit zur Verfügung. Auf Kredit, selbstverständlich. Die Finanzkraft der Herrscher aus den Öl-Ländern öffnete die Türen überall und niemand verlangte Sicherheiten.

In unseren Fernsehprogrammen laufen lange Berichte mit schönen Bildern, wie es in den Nobelküchen der Glitzerhotels zugeht, wie viele Hummer bester Qualität pro Tag verkocht werden, welchen Blick die Suiten des großen segelförmigen Burj-al-Arab auf das Meer gestatten. Dubai sog das Geld der Welt, Milliarden und Billionen an globalen Derivaten, ein, wie der Abfluss einer Badewanne das Wasser.

Diese möglicherweise Zigbillionen standen aber bis jetzt als Aktiva in den Bilanzen der Banken und Finanziers des Wüstenglitzerparadieses. Und zwar nicht unter den sogenannten »Toxic assets«, sondern als echte, belastbare Aktiva. Seit der kühlen Weigerung der Regierung, für die Zahlungsausfälle zu bürgen, heißt das eben nicht nur einfach »Pech gehabt«, sondern bedeutet auch, dass die Aktiva von gestern zum großen Teil heute als Verbindlichkeiten zu werten sind. Wer in welcher Höhe und wie stark im Einzelnen betroffen ist, scheint zurzeit noch gar nicht absehbar zu sein.

Der britische Premierminister Gordon Brown wusste gleich Bescheid: Die Schuldenkrise in Dubai stelle keine größere Gefahr für die Weltwirtschaft dar. Das Problem sei »eindämmbar und örtlich begrenzt«. Nicht einmal die Erholung der globalen Wirtschaft könne das Dubaibakel aufhalten.

Herr Carstensen, der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, bezeichnete zwar mit nachdenklicher Miene den Dubai-Crash als Schock, tröstete aber gleich wieder, die Reaktion der Märkte würde »auch diesmal das wahre Ausmaß der Probleme kurzfristig überzeichnen«. Und der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, fabulierte noch optimistisch, dass die »Unsicherheiten« in Bezug auf Dubai »möglichst schnell geklärt werden müssten«. Es müsse auf einen Kompromiss zwischen Umschuldung und Garantien aus den finanzkräftigen Teilen der Vereinigten Arabischen Emirate hinauslaufen.

Das hat sich ja nun erledigt. Sowohl jene finanzkräftigen Teile als auch die Regierung haben den Gläubigern den Mittelfinger gezeigt.

Dazu kommen jetzt noch, wie Herr Hans Werner Sinn kürzlich warnte, die Spätfolgen der Finanzkrise. Von den toxischen Papieren seien erst 40 Prozent als Abschreibungen realisiert worden. 60 Prozent der in Wahrheit wertlosen Papiere seien immer noch als Aktiva in den Bankbilanzen aufgeführt. Auch Frau Bundeskanzlerin, liebevoll auch die lächelnde Knopfleiste geneckt, ließ das Volk wissen, dass das Schlimmste noch vor uns liege.

Das war vor Dubai.

Nun geht die Tsunami-Welle offenbar doch an Land. Zwei der Top-Finanzinstitute der Welt sind die ersten Großen, die wegen Dubai vor dem Kollaps stehen: Die Royal Bank of Scotland (RBS) und die Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC). Bloomberg berichtete von den Aktienstürzen. Die Royal Bank of Scotland gehörte zu den größten Kreditgebern in Dubai. Die HSBC wir mit hoher Wahrscheinlichkeit weit mehr als die (offen zugegebenen) 4,4 Milliarden Dollar verloren haben, sondern wahrscheinlich eher in die hunderte Milliarden abschreiben müssen. Wenn man dann noch bedenkt, dass die HSBC ein Grundstein der Finanzwelt Hongkongs ist …

Was mit den Aktienkursen der Banken und sonstigen Geldgeber Dubais passieren wird, wenn noch weitere Schäden in vollem Ausmaß sichtbar werden, und wie die Börsen darauf reagieren werden, wird sich in den nächsten Wochen abzeichnen. Wenn die Panik vor einem neuen Börsencrash aufkommen sollte …, wohin wird das »big money« fliehen?

Staatsanleihen? Hier droht das Gespenst der wachsenden Möglichkeit für Staatsbankrotte. China? China hat eher zu viele Dollars. Es versucht sein Geld in Rohstoffe, Land und Gold umzusetzen. Und das chinesische Bankensystem ist ebenfalls hochmarode, während die chinesische Wirtschaft Überkapazitäten produziert. Rohstoffe? Da gibt es jetzt schon harte Verteilungskämpfe. Dadurch könnten sie noch deutlich härter werden. Gold?

Es wir interessant sein, den Goldpreis, den Dollarkurs, den Ölpreis und die Börsenindizes zu beobachten.

 

 

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Quellen:

http://www.mmnews.de/index.php/200912064392/MM-News/Deutsche-Banken-in-Gefahr.html

http://www.gold-eagle.com/editorials_08/maund120609.html

http://www.handelsblatt.com/politik/international/oekonomen-warnung-dubai-krise-koennte-neuen-globalen-crash-ausloesen;2490845

http://www.be24.at/blog/entry/632358

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,663661,00.html

http://hw71.wordpress.com/2008/12/09/dubai-krise-heilt-die-scheichs-vom-grosenwahn/

http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=20601085&sid=aoi4VwW3hwic

http://www.bullionaer.de/shop/showZiemann.php/file/20091208Untergang_der_Kolonialbanken.htm/file/20091208Untergang_der_Kolonialbanken.htm

  

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