Indien hat 1.045 Dollar für die Feinunze bezahlt, was bedeutet, dass der Dollar heute nur noch den verschwindend kleinen, 1.045sten Teil einer Feinunze Gold wert ist. Im Vergleich dazu lag der Wert eines Dollars während der Großen Depression in den 1930er-Jahren bei einem Zwanzigstel einer Feinunze Gold. Diese Zahlen vermitteln einen Eindruck über die gewaltige Dollar-Inflation in Verlauf der vergangenen 80 Jahre.
Durch den Goldankauf steigen die Goldreserven der Zentralbank auf geschätzte 558 Tonnen, fast das Doppelte des Werts vom vergangenen März. Indien besitzt nun sechs Prozent seiner Devisen- und sonstigen Reserven in Form von Gold. Nach einer Währungskrise in den 1990er-Jahren hatte der Goldanteil an den Zentralbank-Reserven noch bei vergleichsweise hohen 20 Prozent gelegen. Im Durchschnitt liegt der Goldanteil an den Devisenreserven der meisten entwickelten Länder bei etwa zehn Prozent. Wenn Indien nun versucht, Alternativen zur Abhängigkeit vom Dollar zu entwickeln, würde ein hoher Goldanteil an den Reserven einen enormen Vertrauensschub bedeuten. In Zeiten des Goldstandards vor 1914 hielten die Zentralbanken im Schnitt mindestens 25 Prozent des Werts ihrer Währungen in Gold.
Die indische Zentralbank kaufte 200 Tonnen Gold vom IWF – das signalisiert den Verlust des Vertrauens in den Dollar.
Seit Nixon im August 1971 die im Abkommen von Bretton Woods festgelegte Gold-Konvertibilität des US-Dollars aufgekündigt hat, wird die Welt von »Fiat«- oder Papiergeld regiert, bei dem sich der Wert des Dollar ausschließlich durch die Rolle der USA als Weltsupermacht stützte. Wie ich in meinem Buch Der Untergang des Dollar-Imperiums ausführlich erkläre, erhielt der Dollar in den 1970er-Jahren durch den absichtlich herbeigeführten Ölpreisschock, als zwischen 1973 und 1974 der Ölpreis um 400 Prozent in die Höhe getrieben wurde, neuen Aufwind. Dieser Plan war im Mai 1973 hinter den Kulissen bei einem Geheimtreffen der Bilderberger-Guppe im Hotel der Familie Wallenberg im schwedischen Saltsjoebaden ausgeheckt worden.
Da der Dollar nun nicht mehr an das Gold gekettet war, konnten die USA in wachsendem Ausmaß Dollars drucken; seit 1971 hat sich die Dollar-Menge um geschätzte 2900 Prozent erhöht. Um sicherzustellen, dass diese zunehmend wertlosen Dollars von der übrigen Welt auch akzeptiert wurden, führten die USA Kriege, griffen zu Erpressung und inszenierten Währungskrisen in anderen Ländern; es gab Finanzmanipulationen in Hülle und Fülle.
Als dann im August 2007 die Finanzkrise der Dollar-Verbriefung ausbrach, mussten Billionen Dollar wertloser Papiere der Money-Trust-Banken an der Wall Street durch Bailouts gestützt werden. Angesichts der dadurch explosionsartig anwachsenden Neuverschuldung der USA überlegen es sich nun andere Länder, ob sie weiter am Dollar festhalten sollen. Denn desto rapider die Dollar-Geldmenge steigt, desto rapider fällt der Wert des Dollars im Vergleich zu realen Gütern wie eben Gold. Vor die Wahl gestellt, würden es sich nur wenige Länder wünschen, eine kollabierende Währung als Reserve zu besitzen. Damit erklärt sich das erneute Interesse am Gold.
Eine eingehende Untersuchung durch GATA und andere Rohstoff-Experten hat ans Licht gebracht, dass die amerikanische Federal Reserve und das US-Finanzministerium seit 1971 die Finanzmärkte manipuliert haben, um den Marktpreis für Gold niedrig zu halten. Damit sollte der Eindruck erweckt werden, Gold sei weniger attraktiv als US-Schatzanleihen, die Zinsen einbringen. Nach 1987 haben das Finanzministerium und die Fed mit den Money-Trust-Banken wie Citigroup, Chase und UBS gemeinsame Sache gemacht und immer dann, wenn der Goldpreis deutlich zu steigen begann, Derivate eingesetzt, um den Preis niedrig zu halten. Dieses Mal gibt es aber keine Hinweise auf geheime Manipulationen, um den jüngsten steilen Anstieg des Goldpreises zu stoppen.
Der Umfang des Goldhandels fällt im Vergleich zum Öl- oder Währungshandel kaum ins Gewicht, deshalb ist es bis jetzt den Derivatehändlern mithilfe der Zentralbanken gelungen, den Goldpreis zu drücken. Nun ist die Frage, ob die anderen Zentralbanken in den nächsten Monaten dem Beispiel Indiens folgen und ebenfalls vermehrt Gold kaufen. Dann könnte das Spiel von Gold und Dollar eine neue Dimension erreichen. Unter solchen Umständen ist die Zukunft des Dollars nicht absehbar. Doch so viel ist sicher: die Wall Street wird nicht so einfach das Handtuch werfen.

