Das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften (Eurostat) gab heute die Daten zur europäischen Industrieproduktion für den Monat Oktober bekannt. Von einer relevanten Erholung der Wirtschaft ist bei der Industrieproduktion nichts zu sehen. Die Industrieproduktion sank in den Mitgliedsstaaten der Eurozone (EU-16) um -0,6% zum Vormonat und in der EU-27 um -0,7% zum Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ging es in der Eurozone um -11,1% abwärts und in der EU-27 um -10,2%!
> Die Industrieproduktion in der Eurozone mit -11,1% im Vergleich zum Vorjahresmonat suggeriert einen Erholungskurs, aber nur im statistischen Vergleich zum Vorjahresmonat. <
Denn der folgende Chart offenbart, dass der scheinbare moderate Einbruch der europäischen Industrieproduktion zum Vorjahresmonat ausschließlich den niedrigeren statistischen Basiseffekten geschuldet ist, denn schon im Oktober 2008 waren die Daten schwach!
> Der saisonbereinigte Index der Industrieproduktion ohne Baugewerbe in der Eurozone fällt im Oktober auf 90,86 Punkte und liegt damit nur wenig über dem Krisentief aus dem März 2009 mit 88,69 Punkten. Der Output der Produktion im Oktober 2009 bewegt sich auf dem Level von 1998! Über ein Jahrzehnt an Wachstum bei der Industrieproduktion wurde durch die Wirtschafts- und Finanzkrise ausgelöscht. Der Industrieproduktionsindex für die EU-27 mit 91,24 Punkten, bewegt sich im Oktober 2009 saisonbereinigt sogar deutlich in der Nähe des Tiefs von 90,25 Punkten aus dem April 2009! Quelle Daten: Epp.eurostat.ec.europa.eu <
Die Spitzenreiter beim Absturz im Oktober in der EU-27 waren Estland mit einem Einbruch von -20,9%, gefolgt von Finnland mit -19,1%, Slowenien mit -18,4%. Für Deutschland wurde der Einbruch der Industrieproduktion mit -13,2% jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat angegeben!
Der Langfristchart zeigt eindrucksvoll, de facto hat noch gar keine wirtschaftliche Erholung, gemessen am wertschöpfenden Bereich, der Industrieproduktion in der EU stattgefunden. Erinnert sei deshalb noch mal daran, dass auch in der EU umfangreiche Maßnahmen zur Stärkung der Banken und zur Stabilität des Finanzsystems und getroffen wurden. Insgesamt beliefen sich nur die bereitgestellten Liquiditätshilfen, Bankbürgschaften und Kreditgarantien für das europäische Bankensystem, laut Ecofin Stand 09.06.2009, auf eine Bruttoexposition von 3,7233 Billionen Euro (5,4 Billionen Dollar)! Bis heute könnte die Bruttoexposition auch noch deutlich höher liegen, darauf weist der aktuelle Bericht des britischen Rechnungshofes vom 4.12.2009 hin, in dem die Liquiditätshilfen, Eigenkapitalhilfen, Bankbürgschaften und Kreditgarantien Großbritanniens für die Banken mit 850 Mrd. GBP (945,6 Mrd. Euro) angegeben werden, die Ecofin gab vor 6 Monaten “nur” 781,2 Mrd. Euro an.
Die positiven Effekte aus dieser monströsen Rettung des Banken- und Finanzsystems für die europäische Realwirtschaft insbesondere für die Industrieproduktion sind kaum messbar!
Betrachtet man dagegen die immense Wachstumsrate der chinesischen Industrieproduktion von +19,2% im November 2009, steht zu befürchten das der Output und die Jobs in der europäischen Industrieproduktion weiter unter starker Bedrängnis durch die Werkbank der Welt geraten. Bei den nicht vergleichbaren sozialen und ökologischen Standards ist diese Entwicklung leider fast zwangsläufig!
Quelle: PDF eurostat.ec.europa.eu
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Quelle: Querschüsse

