Mysteriöse Zeichen am Himmel – beinahe so, wie sie in historischen Chroniken beschrieben werden! Abgesehen von Nordlichtern, Kometen und Meteoren ist in den dicken alten Schwarten von so manch rätselhaftem Phänomen die Rede, das noch bis zum heutigen Tage keiner so recht erklären kann – beispielsweise von schwarzen Kugeln, die über den Himmel schwirrten. So schreibt M. Georgius Caesius in der Chronick / Oder ordentliche verzeichnuß und beschreibung aller Cometen innerhalb der Düringischen Chronica von Rivander, 1588: »Dan … sahe man zu Vesper zeit schwarze kugeln in der wolcken neben und durch die Sonnen fliegend / und auff die Erden schiessen / gleich als wann man groß geschütz lest abgehen.« So geschehen Anno 1571, übrigens das Geburtsjahr des berühmten Astronomen Johannes Kepler.
Bereits 1566 hatten sich ähnliche Gebilde über Basel gezeigt. War das ein Meteoritenhagel oder doch etwas gänzlich anderes? Eine wirklich befriedigende Erklärung für das, was man damals gewahrte, kann wirklich niemand anbieten. Der Witz an der Sache: So mancher Wissenschaftshistoriker beruft sich durchaus gerne auf die alten Chroniken und rühmt die präzise Darstellung, anhand derer sich einstige Himmelsereignisse, seien es eben Kometenerscheinungen oder aber auch seltene Sternexplosionen genau identifizieren lassen. Sobald aber dort etwas, auch aus heutiger Sicht weiterhin Unerklärliches beschrieben wird, ist schnell die Rede von fantasievoller mittelalterlicher Ausschmückung, von purer Fiktion also. Was sich eben nicht ins Weltbild fügt …
Nun, heute tut sich am Himmel weit mehr als in früheren Jahrhunderten. Die Menschen selbst haben dafür gesorgt, und das stiftet immer wieder ganz hübsch Verwirrung. Selbst Fachleute geraten nicht selten in Schwierigkeiten zu erklären, was sich in einzelnen Fällen dort oben zwischen Wolken und Sternen wirklich abgespielt hat. So geschehen Anno 2009, vor ein paar Tagen.
Am arktischen und daher noch stockfinsteren Morgenhimmel über Norwegen tauchte vor Kurzem, genauer gesagt: am 9. Dezember, ein sehr ungewöhnliches Lichtphänomen auf – eine leuchtende Spirale, die für Hunderte von Anrufen im Norwegian Meteorological Institute sorgte. Der bekannte Astronom Knut J. Røed Ødegaard war zunächst der Meinung, es könne sich um einen untypischen Meteor gehandelt haben – doch eine solche Erscheinung dauert nur wenige Sekunden; die geisterhafte Spirale aber war um die drei Minuten lang sichtbar. Also musste eine andere Erklärung her. Überhaupt sah diese »Konfiguration« wahrhaft eigenartig aus: ein blauer Lichtstrahl, von dessen oberen Ende eine graue Spirale ausging. Oder war das etwa ein völlig abstrus verdrilltes Nordlicht? Oder vielleicht sogar das beängstigende Ergebnis eines neuen CERN-Experiments – vielleicht tatsächlich ein Wurmloch, ausgelöst von dem mittlerweile berühmt-berüchtigten Large Hadron Collider (LHC) am Genfer Forschungslabor? Immerhin, die Physiker dort steigern die Kollisionsenergien der Teilchen nach mehreren Zwischenfällen und Zwangspausen zunehmend und dringen bald in ungeahnte, völlig neue Dimensionen vor.
Doch der beinahe hypnotisch anmutende Zauber scheint eine völlig andere Ursache gehabt zu haben. Ein schief gegangener Raketentest, so heißt es nun. Mittlerweile folgte hierzu auch eine offizielle Bestätigung: Das russische Verteidigungsministerium erklärte, es habe sich um einen in die Irre gegangenen Test einer interkontinentalen Rakete gehandelt. Die RSM-56-Bulava-Missile sei von Bord eines U-Bootes aus gestartet worden, der RFS Dimitriy Donskoy. Diese Darstellung scheint auch für den amerikanischen Raketenspezialisten Dr. William Dimpfl von der Aerospace Corporation die nächstliegende Erklärung zu sein. Der blaue Strahl rührte demnach von Aluminiumoxid aus einem Motor des Systems her, während die Spirale von einem rotierenden Motor stamme, der noch mit dem eigentlichen Objekt verbunden war, dabei leuchtendes Gas ähnlich einem Rasensprenger in die Umgebung verteilte und ein durchaus ästhetisches Muster an den Himmel zeichnete. Doch bleibt dies eine unbewiesene Hypothese. Die Raketen-Erklärung scheint allerdings am plausibelsten von allen offiziellen Deutungen, was nicht ausschließt, dass sie beispielsweise die Deckerklärung für ein geheimes Experiment darstellen könnte.
Im Gegensatz hierzu ist absolut geklärt, was sich Sonntagnacht am Himmel abspielte: Wer bei klarer Sicht einen Blick nach »oben« riskierte, konnte zahlreiche helle Sternschnuppen über das funkelnde Firmament ziehen sehen – denn die sogenannten Geminiden entfalteten ein fantastisches Feuerwerk und produzierten bis zu 160 Schnuppen pro Stunde. Die Aktivität der jährlich auftretenden Geminiden nimmt jährlich zu; dieser Meteorschauer hat seine Ursache offenbar in Phaeton, einem Himmelskörper, der als Übergangsobjekt zwischen Komet und Asteroid angesehen werden kann.
Doch was ist mit jenen mittelalterlichen Sichtungen, die wir bis heute nicht erklären können? Nun, vielleicht tat sich ja am Himmel schon damals mehr, als die Natur oder Menschen je hervorbringen konnten. Doch wäre das eine ganz eigene Diskussion!

